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August 19, 2025

Zweifelhafter Auftrag - Hackerangriffe: Ministerium mit Erklärungsbedarf | krone.at

Kronen Zeitung, Wien vom 17.08.2025Logo
Informationstechnologie
Suche nach Sicherheitslücken
Hackerangriffe auf das Außenministerium werfen Fragen auf. Zum Beispiel folgende: Warum wird eine umstrittene Cybersecurity-Firma mit einem Millionenauftrag ausgestattet?
17.08.2025 | Kronen Zeitung
Am 13. August gibt es Alarm im Außenministerium von Beate Meinl-Reisinger (Neos). Ein mögliches Datenleck wird entdeckt. „Es wurden umgehend Untersuchungen eingeleitet, um den Vorfall so schnell wie möglich aufzuklären. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Daten aus der Reiseregistrierung sowie der öffentlichen Website des Außenministeriums betroffen sein könnten“, heißt es aus dem Ministerium. Die zentralen IT-Systeme des Ministeriums seien nicht betroffen.

Wenig Informationen: „Aus Gründen der Sicherheit“
Es ist nicht der erste Hackerangriff. 2020 gab es einen auf das interne System des Außenministeriums, 2022 einen weiteren. Ein Kontinuum tut sich auf. Ein Partner für Cybersecurity des Außenministeriums war und ist eine Firma namens Ikarus, wiederum Partner der US-Firma FireEye. Die wiederum war selbst Opfer eines Hackerangriffs. Bemerkenswert: Ende Juli 2025 wurde Ikarus für ein Leistungspaket von über einer Million Euro vom Ministerium bezahlt. Ikarus war der einzige Anbieter. Wieso wurde trotz der genannten Vorgänge exakt dieser Anbieter gewählt? Warum gab es nur den einen? Und hat man Verbesserungen im Datensicherheitsbereich geplant?
„Das Außenministerium arbeitet kontinuierlich an der Sicherstellung höchster Qualitätsstandards bei Cyberprävention und -schutz“, heißt es aus dem Ministerium. Es würden Leistungen unterschiedlicher Anbieter herangezogen. Die Beauftragung von Ikarus erfolgte im Zuge eines Rahmenvertrages der Bundesbeschaffungsgesellschaft unter Einhaltung sämtlicher vergaberechtlicher Vorschriften. Aus Gründen der Sicherheit könne man keine näheren Angaben machen.
Interessant: Just die Neos (Douglas Hoyos, heute Generalsekretär) hinterfragten im März 2020 das Engagement von Ikarus und verbundenen Unternehmen per parlamentarischer Anfrage an die ÖVP. Der damalige Kanzler Sebastian Kurz verwies auf eine frühere Antwort, die jener des heutigen Außenministeriums ähnelt: Derartige Inhalte seien vertraulich. Die FPÖ hat jedenfalls zur aktuellen Angelegenheit eines möglichen Datenlecks von Neos-Ministerin Beate Meinl-Reisinger umfassende Aufklärung gefordert. Das dürfte auch andere interessieren. Erich Vogl

Digitaler Zwilling: Warum es den Politiker Jakob Grüner doppelt gibt | Tiroler Tageszeitung – Aktuelle Nachrichten auf tt.com

Tiroler Tageszeitung, TT am Sonntag vom 17.08.2025Logo
Informationstechnologie
Mit einem digitalen Zwilling auf der Höhe der KI-Zeit
17.08.2025 | Tiroler Tageszeitung

Der Tiroler Nationalratsabgeordnete Jakob Grüner (ÖVP) hat mit „digiJACK“ einen KI-generierten Avatar, der ihm Arbeit abnimmt.

Carmen Baumgartner-Pötz

Innsbruck, Wien – Als der Innsbrucker Rechtsanwalt Jakob Grüner (38) im März für die ÖVP in den Nationalrat nachrückte (mit der Regierungsbildung war ein Abgeordnetensitz vakant geworden), hatte er bereits Wien-Erfahrung: Von 2019–2022 leitete Grüner die Koordinationsstelle des Landes Tirol in der Bundeshauptstadt. Das politische Geschäft war ihm als ehemaligem Büroleiter des Landeshauptmanns ebenfalls nicht fremd.

Neue Wege gehen

Die direkte politische Kommunikation allerdings war Neuland für Grüner. Als seine Mitarbeiter vorschlugen, ihm als Unterstützung einen digitalen Zwilling, einen eigenen Avatar zu bauen, war der Jurist nicht sofort Feuer und Flamme: „Wegen der Missbrauchsgefahr – Stichwort Deep Fake – war ich ehrlich gesagt sehr skeptisch. Aber gleichzeitig war meine Neugierde groß und ich wollte den KI-Zug nicht vorbeifahren lassen“, erklärt Grüner im Gespräch mit der TT. Mittlerweile ist der digitale Zwilling von Grüner ein paar Monate im Amt und es vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht auf ihn angesprochen werde, so der Tiroler Nationalrat. „Meistens kommt der Schmäh: Bist du jetzt der echte Grüner oder nicht?“, schildert er. Der politische Avatar des Abgeordneten ist quasi die virtuelle Version des Menschen – und sieht so täuschend echt aus, dass sogar Grüners Frau keinen Unterschied erkennt.

Das liegt daran, dass KI-generierte Inhalte nur so gut sind wie das Datenmaterial, mit dem sie gefüttert werden. In Grüners Fall hieß das, es musste erst einmal Zeit in die Entwicklung gesteckt werden. „Ich habe zum Beispiel im Tonstudio sehr viele Texte als Grundlage für die KI eingesprochen, damit meine Sprachfärbung, meine Betonung, mein dialektaler Einschlag auch beim Avatar funktionieren“, erklärt Grüner.

Tiroler Erfindung

Hinter der Entstehung von „digiJACK“ steht der Innsbrucker Daniel Gosterxeier, er ist auch parlamentarischer Mitarbeiter Grüners. Mit seinem Geschäftspartner Nikolaus Stickler hat Gosterxeier bereits mehrere Start-ups entwickelt, die beiden Digital Consultants arbeiten schon lange mit KI. „Wir wussten, dass wir in der Firma die Möglichkeit haben, so einen Avatar zu bauen – aber es war schon ein Wagnis“, sagt Gosterxeier. Denn nach wie vor gehört Österreich eher zu den technologieskeptischen Ländern und von vielen, vor allem älteren Menschen kommt erst einmal die Frage: Wofür braucht man das? Und wird die KI irgendwann den Menschen ersetzen?

Ergänzung, nicht Ersatz

„Es steckt immer ein Mensch dahinter, nichts wird freigegeben, bevor ich es nicht gesehen habe“, erklärt Grüner. Er nutzt seinen „digiJACK“ vor allem für Erklärvideos und nur auf Social Media (Instagram und TikTok), für Inhalte, die bewusst konsumiert werden. Theoretisch könnte der „digi-JACK“ in allen Sprachen und bei allen möglichen Gelegenheiten sprechen.

Aus den Social-Media-Auswertungen weiß Grüners Team, dass dem Ava- tar länger zugehört wird – was mit der Faszination am Neuen zu tun hat –, die Reichweite aber mit Videos des echten Jakob Grüner größer ist, weil der Algorithmus KI-generierte Inhalte nach hinten reiht. „Ich würde den Avatar jetzt nicht für ein emotionales Thema einsetzen“, sagt Grüner, der in KI generell die Möglichkeit sieht, Arbeit auszulagern und dafür mehr Zeit für andere Dinge zu haben.

Junge sind begeistert

„Ich muss z. B. selbst keine Erklärvideos aufnehmen über eine neue Gesetzesmaterie, das kann mein Avatar machen. Dafür habe ich mehr Zeit für Termine mit echten Menschen“, erklärt er. Das Feedback falle vor allem bei jungen Leuten sehr positiv aus: „Für die ist es cool, dass jemand etwas Neues probiert“. Älteren Menschen müsse man durchaus erklären, was ein Avatar überhaupt ist – Verwechslungsgefahr besteht aber durch die mehrfache KI-Kennzeichnung eigentlich nicht. Und Grüners Kinder? „Die finden den digi-JACK vor allem lustig. Sie meinten, der könnte doch auch mal probieren, eine Pizza zu bestellen.“

„Technisch ist uns da viel gelungen. Das Feedback am Anfang war: Der ist doch abgefilmt!“

Daniel Gosterxeier (Avatar-Entwickler)